Drei Phasen mit Kocak

Eine ungewöhnliche Saison in der zweiten Liga liegt hinter Hannover 96, eine weitere steht bevor. Statt sich wie erhofft in das Rennen um die Aufstiegsränge einzuschalten, näherten sich auch nach der Trennung von Mirko Slomka zwischenzeitlich die Abstiegsplätze. Wie sich 96 mit seinem neuen Trainer Kenan Kocak erst schleppend aus dem Abwärtstrend befreien und am Ende noch in die erwarteten Tabellenregionen vorstoßen konnte, lässt sich unter Hervorhebung der taktischen Entwicklung im Groben in drei Phasen darstellen.

Erste Phase: klassische Orientierung

Die ersten Eingriffe Kocaks nach seinem Amtsantritt können als normale Orientierungsversuche beschrieben werden: Mit naheliegenden Positionsbesetzungen und einer klassischen Struktur im 4-4-2 (oder 4-4-1-1) als neuem Standardsystem bestand der Ausweg aus dem Problem strategischer Unklarheit in der Suche nach Stabilität und dem Erarbeiten grundlegender Mechanismen im Spiel gegen den Ball. Wie aber schon zu Beginn der Saison zeigten sich in dieser Formation wieder die Lücken und Unwuchten der Kaderstruktur in suboptimalen Spielerrollen: Muslija und Hansson mussten auf dem Flügel aufgeboten werden, sodass zwar das Überangebot an Achtern gemildert wurde, Tempo und Tiefenläufe aber immer nur über die andere Seite (mit Maina) Optionen waren. Im zentralen Mittelfeld mussten häufig wieder Bakalorz, Prib und Kaiser die Pflichten des tiefen Spielgestalters so unter sich aufteilen, dass ihre jeweiligen Defizite in dieser Rolle möglichst wenig und nur unsystematisch ins Gewicht fielen. Der für diese Aufgaben eigentlich (spät) verpflichtete Dennis Aogo fiel verletzt aus oder wurde – als Vorbote für die später immer wichtiger werdenden Mittelfeldspieler-Attribute – wegen seiner Physis-Defizite nicht berücksichtigt.

Ähnlich wie zuvor Slomka setzte auch Kocak in dieser ersten Phase in zwei Szenarien auf Fünferkettensysteme: Einerseits stellte der neue Trainer auf fünf Verteidiger um, wenn 96 in Führung lag bzw. den Spielrhythmus des Gegners unterbrechen wollte und bewirkte damit meistens ein tieferes Pressing. Andererseits war das 5-2-1-2 eine Option für die Startelf, wenn sich 96 gegen Stuttgart und Hamburg in der Außenseiterrolle sah und die Ballbesitz-Verhinderung des Gegners als vorrangiges Ziel verfolgte. Vor allem gegen Stuttgart wurde diese Formation, die das Flügelspieler-Problem und den Sechser-Mangel (bzw. das Achter-Überangebot) des Kaders verschleierte und einige Spieler in sehr viel passendere Rollen als im 4-4-2 (oder 4-3-3) brachte, auch mit einem sehr hohen, mannorientierten und intensiven Pressing ausgefüllt.

Zwei Wochen später gegen Hamburg setzte Kocak zudem einen ersten größeren Impuls für das Ballbesitzspiel, indem die Formation weniger schematisch interpretiert wurde, asymmetrische Aufbaureihen gebildet und mit weit aufrückenden Flügelverteidigern erstmals Ansätze hin zu einer strukturellen Offensivpräsenz gelegt wurden. Zusammen mit den relativ zügig angespielten, vertikalen Angriffen und dem Druck auf zweite Bälle wurden in diesen Spielen, wie wir heute wissen, schon wesentliche Spuren für die „Lösung“ der vielen mittelgroßen und teilweise miteinander verzahnten Probleme in der Kaderstruktur und Spielanlage gelegt. Während zwischen dem Stuttgart- und Hamburg-Spiel die Ergebnisse und Spielleistungen nicht unbedingt überzeugten, fand sich in dieser Phase ein weiterer produktiver Ansatz für die weitere Saison: Die Formation gegen Fürth, ein durch Haraguchis Rolle als zurückfallender Zentrumsstürmer sehr rautenähnliches 4-3-3, war ein erstes Anzeichen für den zweiten Teil dieser Evolution, die zum erfolgreichen Saison-Endspurt und dem letztlich standesgemäßen Abschluss auf Platz 6 führen sollte.

Zweite Phase: Übergangs- und Konsolidierungsphase

Ehe der Aufschwung durch die Verbindung dieser drei grob gezeichneten Elemente gelingen konnte (das intensive und an klaren Referenzpunkten ausgerichtete hohe Pressing, das direkte und schnelle Angriffsspiel und die beides mit dem Kader harmonisch ermöglichende Formation), stand aber eine Phase des Übergangs an. Prinzipiell kann dieser Teil der Entwicklung unter Kocak auf die Rückkehr von Timo Hübers im Spiel gegen Bielefeld zurückgeführt werden. Hatte er Waldemar Anton zuvor zwischen Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld hin- und hergeschoben, konnte Kocak ihn nun dauerhaft vor der Abwehr einplanen, ohne dass ein verlässlicher Zweikämpfer in der letzten Linie fehlen würde. So konnte auch das Sechserproblem zunehmend als gelöst angesehen werden, weil Antons praktisch allen Gegenspielern überlegene Physis nicht nur die Schwächen von Bakalorz, Kaiser und Prib ausglich. Auch das vorher immer wieder sichtbare Problem der Abwehrkette, stabil nach vorne zu verteidigen (also kurz gesagt das sichere Herausrücken der Innenverteidiger, meistens gegen flache Pässe in die Halbräume), das durch die etwas wackligen Sechser nur umso deutlicher aufgefallen war, wirkte sich jetzt nicht mehr so stark aus (und besserte sich dann ungefähr ab dem Sandhausen-Spiel auch gruppentaktisch).

Zunächst noch im defensiv stabilen 4-4-2 aufgeführt, wurde eine Woche später gegen Kiel dann durch eine Umstellung Kocaks im Spiel weg von der (angesichts von Kiels Spielweise nachvollziehbaren) Fünferkette auch zum ersten Mal die „richtige“ Raute im Mittelfeld gezeigt. Mit Maina als Zehner und Bakalorz als Achter war, mit unserem heutigen Wissen, aber die richtige Besetzung noch nicht gefunden. Sowohl eine gewisse defensive Stabilisierung als auch etwas bessere Präsenz für zweite Bälle und bei schnellen Angriffen trugen dennoch zum erfolgreichen Ausgang des Spiels bei. Neben dieser noch nicht optimalen Besetzung der Positionen führte dann auch die nicht nur aus heutiger Sicht kritikwürdige Entscheidung von Kocak, nach der Pandemie-bedingten Saisonunterbrechung gegen Osnabrück wieder auf das klassische 4-4-2 zu setzen, dazu, dass der endgültige Durchbruch nicht gelang – die Übergangsphase war eben eine Phase des Übergangs.

Das gute Ergebnis gegen Osnabrück ist nicht wirklich auf eine überzeugende Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit, zurückzuführen, sondern war nur seinerseits ein Vorbote auf ein weiteres in der dritten Phase ganz wesentliches Merkmal des 96-Erfolgs: In der zweiten Halbzeit konnte sich die Kocak-Elf nach der Corona-Unterbrechung jetzt immer häufiger gegen die abbauenden Gegner viele Torchancen herausspielen und auch ohne große spielerische Dominanz zahlreiche Tore schießen. Eine offenbar verbesserte körperliche Verfassung der ganzen Mannschaft, die individuelle Überlegenheit gegen die meisten Gegner und vor allem die Einwechsel-Optionen für die Offensive verschafften 96 bis zum Ende der Saison immer wieder druckvolle Schlussphasen, während am Anfang der Saison nach Wiederanpfiff eher die Stabilisierung, der Rückzug und das Kontern prägend gewesen waren.

Trotz der Fünferkettenformation ist das dritte Spiel nach dem Wiederbeginn gegen Sandhausen aber wiederum kein Beispiel für einen vermeintlichen Rückfall in diese alten Muster. Auch taugt dieses Spiel bei einem Blick auf die taktischen Umstände ebenso wenig wie das vorangegangene Unentschieden gegen Karlsruhe, den Vorwurf des „Vercoachens“ an Kocak zu richten. Vielmehr zeigte sich in diesen beiden Spielen am Ende der zweiten Phase die neue Klarheit: Aus der nicht wirklich gelungenen Aufstellung gegen Osnabrück wurde trotz des Siegs der richtige Schluss gezogen, wieder auf die Rautenformation zu wechseln und dabei gleichzeitig die optimale Besetzung für das Mittelfeld mit Prib und Kaiser als Achter und Haraguchi auf der Zehn gefunden. Da diese Aufstellung mit Antons Sperre gegen Sandhausen nicht aufrecht zu halten war, aber der Versuch, ihn beispielsweise direkt durch Bakalorz zu ersetzen erfahrungsgemäß keine gute Option darstellte, war die Fünferkette eigentlich eine konsequente Fortsetzung der vorherigen Problemanalyse: Mit dem Rückkehrer Franke in der Innenverteidigung wurde Antons körperliche Präsenz kompensiert, die Unterlegenheit im Sechserraum aufgefangen und das Flügel-Problem nicht neu aufgeworfen, das ja bei einer andersartigen Abkehr von der Raute auch immer weiter drohte.

Dritte Phase: Das Ernten der Früchte

Mit der Rückkehr von Anton konnte dann in den folgenden Spielen dauerhaft auf die Raute mit Prib, Kaiser und Haraguchi gesetzt werden. Das „Geheimnis“ dieser Besetzung liegt letztlich darin, auf allen vier Positionen mit weiträumigen, im Pressing sehr guten, die geforderte Intensität im Anlaufen zuverlässig abrufenden Akteuren ein in sich stimmiges und für die ganze Mannschaft stabiles Gebilde gefunden zu haben. Spielerisch fällt keiner der vier ab, läuferisch bewegen sich alle auf einem guten bis sehr guten Niveau – Prib und Kaiser bauten in der zweiten Halbzeit zwar regelmäßig ab, wurden aber dementsprechend auch immer früh ausgewechselt und von Ochs, einem eben robusten, laufstarken und die Pressingaufgaben erledigenden „Lückenfüller“-Allrounder, für ein paar Minuten ganz gut vertreten. In anderen Positionen und Rollen hatte Ochs schon deutlich größere Schwierigkeiten, zu überzeugen, was auch ein bisschen was über die Rauten-Anforderungen in der Rückrunde und ihre Effektivität verrät. Jedenfalls führte spätestens die Auswechslung des zweiten Rauten-Achters in der Regel zu einer Umstellung auf das klassische 4-4-2 in der zweiten Halbzeit.

Im Pressing erlaubte die Rautenformation gegen die meisten Zweitligisten ein hohes mannorientiertes Anlaufen der ersten Aufbaureihe und gewährleistete eine grundsätzliche Stabilität und teilweise auch die Grundlage für Dominanz. Der Gegner wurde früh zu langen Bällen gezwungen, die mit Anton im Sechserraum und der Innenverteidigung Franke-Hübers gut verteidigt werden können. Die Anlaufwege der Halbspieler Prib und Kaiser auf die gegnerischen Außenverteidiger sind zwar kräftezehrend und wegen ihrer Länge nicht ganz ungefährlich für die mannschaftliche Kompaktheit, aber lösen auch eine kollektive Pressing-Dynamik nach vorne und zur Ballseite aus.

In einem vermutlich öffentlich ziemlich unterschätzten Ausmaß räumte dahinter Anton als omnipräsenter, intelligent absichernder Sechser nicht nur körperlich das auf, was doch einmal durchkam, sondern fing auch dank seiner überlegenen (Vor-)Orientierung wahnsinnig viele Bälle ab. Einen wichtigen Beitrag zur Gesamt-Stabilität gegen den Ball trug auch Horn als Linksverteidiger bei, der sich zunehmend gegen Albornoz durchsetzte und das wohl auch maßgeblich wegen seiner größeren Robustheit, Zweikampfführung und Stabilität tat. Insofern ist auch der schwere Stand von leichtgewichtigen, auf Dribblings und Passspiel abhebenden Spielertypen wie Muslija, Stendera (denen zudem das Tempo fehlt) und Maina (dem die Pressingkompetenz und Intensität von Haraguchi abgeht) eine logische Konsequenz des Rauten-Schwerpunkts auf Laufstärke im Pressing und Griffigkeit bei zweiten Bällen.

Mit der sehr stark auf das Aufrücken zu klar definierten Gegenspielern verknüpften Intensität und Stabilität des Pressings ging allerdings auch die Gefahr einher, sich deutlich schwerer zu tun, sobald ein Gegner von der klassischen Aufbaustruktur mit einer Viererkette und einem tieferen Sechser abwich. Vor allem gegen Fünferketten (Aue und Darmstadt) wurden die Zuordnungsprobleme immer wieder problematisch, indem zwar Haraguchi auf den zentralen Spieler der Dreierreihe aufrücken konnte, dahinter aber dann auch Anton weit aus seiner Position herausrücken musste, um zusammen mit Prib und Kaiser das gegnerische Mittelfeld zuzustellen. Ähnlich gelagert war der Fall im Spiel gegen Bochum, als Anton entweder für einen der beiden Achter übernehmen oder direkt Haraguchi unterstützen musste, weil der VfL mit zwei tiefen Sechsern aufbaute und Haraguchi so nominell in Unterzahl stand. Genauso wie in diesem Spiel wurde auch gegen Dresden in der Folge der Flügel bzw. der jeweilige Außenverteidiger zur aussichtsreichen Befreiungsstation für den gegnerischen Aufbau, wenn die 96-Achter im Mittelfeld gebunden waren (bzw. sich selber banden) und so ihren eigentlichen Auftrag, das Anlaufen und Stören der gegnerischen Außenverteidiger, nicht erfüllen konnten. In der Regel gelang es 96 zwar, diese strukturellen Lücken mit hohem Tempo im Anlaufen und intensivem Nachrücken von hinten auszugleichen, aber einerseits ging diese Kompensation auf Kosten der Spielzeit der Achter und andererseits mit einem latenten Verlust von Dominanz einher.

Im eigenen Aufbau und Ballbesitz gab es dagegen ein paar deutlichere Anpassungen und Abweichungen vom Standard-Rezept zu beobachten, indem anfangs Prib nach halblinks neben die Innenverteidiger abkippte und in den späteren Spielen Horn im Aufbau tiefer blieb. Mit diesen (asymmetrischen) Aufbaudreierreihen und dem Sechser davor war 96 gut gewappnet gegen Zwei-Mann-Pressingspitzen und generell auch gegen Mannorientierungen der Gegner. Hannover verschaffte sich so, auch durch die (aber wohl nicht unbedingt absichtlich hergestellte) enge Staffelung der Innenverteidiger, eine stabile und abgesicherte Basis für den ersten Pass und eine insgesamt tragfähige Positionsstruktur im 3-1-4-2.

Aus dem Spiel gegen St. Pauli: Konventionelles Abkippen von Anton. Eigentlich aber gar nicht die vielversprechendste Umformung gegen das Manndecken von St. Pauli, weil es letzlich nur ein 1-zu-1-Übergeben darstellt und zudem Horn und Korb ohnehin nicht von den Rauten-Halbspielern St. Paulis angelaufen würden, sondern sie ihren Manndeckern einfach in die Arme gelaufen sind.

Gerade gegen mannorientiert pressende (oder im Fall St. Paulis: manndeckende) Gegner fehlten zwar das Tempo im Passspiel und ein wenig auch das Timing der Rochaden auf dem linken Flügel, um für richtige Positionsangriffe mit flachen Kurzpässen den Gegner zu knacken. Aber die gute Raumaufteilung und auch die relativ variable und ganz gut abgestimmte Höhe der Außenverteidiger garantierte eigentlich immer einen guten Zugriff auf zweite Bälle, die mit ohne große Umschweife gespielten langen Bällen oder scharfen Pässen in die Sturmreihe regelmäßig provoziert (bzw. in Kauf genommen) wurden.

Gegen Heidenheim: Das öfter zu sehende Muster, in dem Prib herauskippt und Ducksch dafür breit steht, dann in den Halbraum fällt und Flachpässe aus der Abwehr erhalten kann, wenn Horn aufrückt. Eine ähnliche Staffelung wurde in anderen Spielen erzeugt, indem Horn tief neben den Innenverteidigern blieb, Prib diagonal aufrückte oder Haraguchis Rolle einnahm, der dafür den Sturm auffüllte.

Das druckvolle, im Idealfall wenig schnörkellose und im schlechtesten Fall unvorbereitete vertikale Angriffsspiel wurde ergänzt durch viele Läufe in die Tiefe von Kaiser (etwas seltener von Prib, der in einer stimmigen Arbeitsteilung eher auf das Balancieren und Unterstützen aus war) und dem Aufrücken von Haraguchi (nicht immer eine glückliche Rolle für ihn, aber er kam so auch oft zu wichtigen Momenten). Direkt hinter die Abwehr gespielte Bälle (meist wenn Maina als Zehner von Anfang an oder als zweiter Stürmer nach Einwechslung spielte) und (allerdings oft deutlich zu früh gespielte) Flanken in den Strafraum komplettierten den Eindruck eines druckvollen, wuchtigen Angriffsspiels, das zwar oft effektiv war, aber auch dazu neigen konnte, zu sehr auf Hit and Hope hinauszulaufen.

Kocaks Leistung, oder: Was davon kann bleiben?

Wenn man verkürzt die taktische Entwicklung auf die Eingriffe und Entscheidungen des Trainers herunterbrechen möchte, lässt sich kaum grundsätzliche Kritik an Kocaks erster Saison begründen – zumal die Umstände alles andere als einfach waren. Anders als sein Vorgänger hat Kocak ein Stammsystem gefunden, das mit der problematischen Kaderstruktur gut vereinbar war, sowohl das Pressing als auch die Übergangsmomente sehr zuverlässig ausfüllen konnte und teilweise zu Dominanz führte. Die Suchbewegung auf dem Weg hin zur optimalen Formation, Systematik und vor allem Besetzung kann man insgesamt als ziemlich stringent ansehen, auch wenn Ansätze wie gegen Osnabrück nach oder gegen Aue, Regensburg und Wiesbaden vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs vielleicht mehr Anlass zur inhaltlichen Kritik gaben.

Vor allem die Personalentscheidungen innerhalb der Formation, als das System einmal gefunden war, haben aber eigentlich immer überzeugt und waren mit der Problemanalyse, die sich in den taktischen Eingriffen andeutete, konsistent (weswegen eben auch eher unpopuläre oder jedenfalls nicht einfache Entscheidungen wie die gegen Bakalorz und Maina ein in mehrfacher Hinsicht gutes Zeichen waren). Bei der Zusammenstellung der Stürmer-Duos, ein ziemlich wichtiger Faktor für den Erfolg in der dritten Phase, bewies er auch ein gutes Gespür für die Form der Einzelspieler und die Synergien in unterschiedlichen Konstellationen. Einzig die Ballbesitzentwicklung war damit nicht immer gut in Einklang zu bringen, weil mit Weydandt nur ein Zielspieler für lange, hohe Anspiele im Kader zur Verfügung steht, der aber gerade gegen hoch pressende Gegner eher eine Option für die Startelf hätte sein können/sollen als etwa Guidetti oder Ducksch.

Für das Ballbesitzspiel generell sind die Aussichten für die nächste Saison auch nicht unbedingt klar. Viel entschied sich schon bei den ersten Momenten des Aufbaus darüber, ob der Gegner etwa das Spiel auf Hübers lenkte und ihn zum Andribbeln oder Abspielen auf der für ihn falschen linken Seite zwang. Dass ein linksfüßiger Innenverteidiger mit Stammplatzambitionen verpflichtet wird und das Duo Franke-Hübers sprengen kann, ist momentan eher unwahrscheinlich, ebenso wie im Fall von Antons Verbleib ein dauerhafter Einsatz von ihm als rechter Innen- oder Halbverteidiger einer Dreierkette, was nach wie vor die größten Qualitätssprünge für den Spielaufbau versprechen würde. Letztlich ist die Raute insgesamt und mit ihr also das ganz wesentliche Element des jüngsten Erfolgs für die nächste Saison nicht wirklich als Plan A vorstellbar – schließlich ist diese Flügelspieler-lose Formation ja in Teilen auch eine Reaktion auf einen Kader mit eigentlich nur einem Flügelspieler, was wohl nicht noch einmal zur Ausgangslage gemacht werden sollte (schwierig allerdings: wenn man bei der Raute bleiben wollte, könnte man Maina guten Gewissens gehen lassen, während Anton absolut nicht zu ersetzen wäre).

Wo die Reise also inhaltlich hingeht, ist im Hinblick auf das Ballbesitz- und Angriffsspiel aus dieser ersten Saison mit Kocak nicht wirklich abzuleiten. Wir können aber wohl davon ausgehen, dass Robustheit, Intensität und Wucht mit einer Betonung auf das Spiel gegen den Ball auch in der nächsten Saison die grundsätzliche Charakteristik des 96-Spiels beschreiben werden. Die spielerischen Elemente werden diesen Grundmotiven eher zuarbeiten und sie ergänzen, als dass der Zusammenhang andersherum wäre. Die taktischen Eingriffe Kocaks während der Spiele, seine Personalentscheidungen und die grundsätzliche taktische Entwicklung haben unabhängig davon aber schon dafür gesorgt, dass man sich an diesem Ende der Gleichung keine großen Sorgen um 96 machen muss. (Wenn Maina und Anton, mal wieder am relativen Tiefpunkt ihrer realen Marktwerte, verkauft werden und zwei, drei Verpflichtungen nicht richtig zünden, was immer passieren kann, wird’s mit dem Aufstieg dann aber trotzdem eher nix.)

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