VfB Stuttgart – 96 1:2

Stuttgart gegen Hannover am Montagabend: Im Aufeinandertreffen der beiden Absteiger und Aufstiegsfavoriten ging es auf Seiten der Gastgeber um die Tabellenführung und für 96 darum, den Anschluss an die direkten Aufstiegsplätze zu halten. Nachdem Wolfs eigentlich gute Gegneranpassung in der ersten Halbzeit nicht wirklich fruchtet, greift der VfB-Trainer in der Halbzeit wieder ins Spiel ein und kann seine Elf stabilisieren. Am Ende holt sich aber 96, völlig überraschend nicht im asymmetrischen 3-1-4-2, nach einer unglücklichen Szene von Langerak den wichtigen Auswärtssieg und bleibt an Stuttgart dran.

  • Stuttgart startet im 5-2-3, was grundsätzlich nicht dumm ist: Viele Abwehrspieler gegen viele 96-Stürmer und eine gute Flügelabdeckung. Der VfB ist aber entweder zu passiv innerhalb der Formation oder zu unentschlossen im Herausrücken und gibt Hannover so eher genau den Raum, den die Stendel-Elf haben möchte und provoziert. Nicht gut balancierte Mannorientierungen sind allerdings nicht nur beim VfB ein kritischer Punkt und spielen bei beiden Toren eine große Rolle.
  • Hannover kann eine modifizierte Wucht einigermaßen nach vorne anbringen und zeigt dabei einige vielversprechende Absatzbewegungen aus der Sturmreihe. Mit dem hohen Pressing profitiert 96 mal wieder von einem Gegner, der selber Fußball spielen kann (und auch ein bisschen will), zeigt aber auch hier ein paar schlechte Mannorientierungen. 96 kriegt Intensitätsvorteile, weil und während Stuttgart wieder relativ passiv auftritt.
  • Das ändert sich erst nach Wolfs Korrektur zur zweiten Halbzeit zunehmend. Im 4-1-4-1 ist Stuttgart etwas zugriffsstärker im Mittelfeld und könnte einige sehr gefährliche Konter fahren – aussichtsreiche Gelegenheiten werden jedoch verschenkt, bevor sie überhaupt zu Torchancen werden können. Hannover kommt zu weniger Abschlüssen, kriegt am Ende aber noch einmal eine Gelegenheit dazu und nutzt sie prompt.

Wolf macht seine Ankündigung wahr: Stuttgart mit neuem Plan gegen 96

Hannes Wolf hatte in der Pressekonferenz vor dem Spiel angedeutet, für das Spiel gegen 96 mit einer Umstellung und einem speziellen Plan zu liebäugeln. Und tatsächlich begann der VfB statt im zuletzt üblichen 4-1-4-1 in einer 5-4-1/3-4-3-Formation mit den Flügelverteidigern Großkreutz (rechts) und Insúa (links). Für Großkreutz musste Berkay Özcan aus der Startelf weichen, sodass das zentrale Mittelfeld von Matthias Zimmermann und Christian Gentner hinter den drei Stürmern Asano, Terodde und Mané besetzt wurde. Auf der anderen Seite schickte Daniel Stendel seine Elf fast unverändert in das Spiel, lediglich Edgar Prib kam auf der linken Abwehrseite wieder für Miiko Albornoz in die Mannschaft, sodass es auch beim 4-4-2 mit den Stürmern Harnik und Karaman blieb.

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Grundformationen in der ersten Halbzeit.

Hannovers Angriffspressing greift besser, 96 mit Intensitätsüberlegenheit

Gegen die überwiegend entweder spielschwachen oder spielunwilligen Gegner der letzten Wochen hatte das von Stendel geforderte aggressive, hohe Pressing im bisherigen Saisonverlauf nur sporadisch eine positive Wirkung. Mit dem VfB traf 96 nun aber auf eine Mannschaft, die sowohl fähig, als auch grundsätzlich bereit ist, das Spiel einigermaßen kontrolliert von hinten heraus zu gestalten. Trotz gewisser struktureller Probleme konnte Hannover daher durch das Spiel gegen den Ball wieder etwas mehr Eindruck hinterlassen und sich von Anfang an eine gewisse Spielkontrolle erarbeiten. Gegen die mit hohen Flügelverteidigern im 3-4-3 gestaffelten Gastgeber rückte 96 wie üblich aus dem 4-4-2 ins 4-1-3-2 auf und wollte früh Druck auf den Ball erzeugen.

Mit dem zusätzlichen zentralen Verteidiger und zwei zentralen Mittelfeldspielern hatte die Wolf-Elf allerdings im Zentrum des Platzes gegen die beiden 96-Sechser eine Überzahl: War Bakalorz der höhere Sechser, rückte er bis auf Baumgartl durch, während sich Schmiedebach zunächst zurückhaltender an einem der Sechser orientierte und sich im Aufrücken dann geschickter verhielt, und sich Harnik und Karaman nach anfänglichem Zustellen der beiden ballnahen Aufbauspieler oder der Halbverteidiger stärker ballorientiert verhielten. Wenn sich die 96-Außenspieler Klaus und Sarenren-Bazee zum Ausgleich nicht an einem der beiden VfB-Sechser orientierten, rückte manchmal auch noch der zweite Hannoversche Sechser auf einen direkten Gegenspieler auf, sodass 96 eher in einem 4-0-4-2 presste und gefährlichen Platz vor der Abwehr offenbarte. Ein Zurückfallen eines der drei Stuttgarter Stürmer irgendwo in die Zwischenräume im Mittelfeld bedeutete dann potenziell viel Gefahr, aber ohne wirklich bewegungsintelligenten und spielstarken Offensivspieler nutzte die Heimelf dies nicht genug aus.

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Schlechte 96-Pressingszene aus der 17. Minute unter anderem wegen der zu undurchdachten Mannorientierungen im Zentrum (in anderen Szenen noch problematischer, wenn Bakalorz bei Baumgartl steht oder – dann weniger problematisch – wenn Schmiedebach zB beim etwas tieferen Zimmermann, aber mit Zugriff auf ballnahe Seite ist und trotzdem noch auf einen der breiten Verteidiger aufrücken kann). Aber natürlich auch ein hervorragender Pass von Baumgartl.

Meistens griffen die Verteidiger gegen den hohen gegnerischen Druck zum langen Ball in Richtung Terodde, der sich in die Halbräume bewegte, oder auf die Flügel. Nach der Ablage oder dem eroberten Abpraller wurden die schnellen Asano und Mané oder die Flügelverteidiger in den äußeren Zonen gesucht und sollten direkt in die Tiefe starten. Doch dieses Vorhaben scheiterte meistens an schlechtem Gegenpressingzugriff im mit nur nominell zwei Spielern unterbesetzten zentralen Mittelfeld, das zudem durch die erneut sehr vertikale, offensive Interpretation von Gentner geschwächt wurde, oder an Ungenauigkeiten beim Ausspielen der Umschaltansätze nach vorne. Stattdessen kam 96 so auch noch zu ein paar Umschaltansätzen und konnte den Platz im Zentrum manchmal ausnutzen.

Allgemein, aber vor allem wenn sich 96 tiefer positionierte, trat die Stendel-Elf gegen das durch die bisherigen Gegner noch nicht aufgebotene Fünferkettensystem im Defensivverhalten sehr mannorientiert auf: Besaß der VfB den Ball im Mittelfeld, ließen sich Sarenren-Bazee und Klaus von den aufrückenden Flügelverteidigern mit auf die Höhe der Abwehrreihe ziehen, während die Außenverteidiger das angesetzte Zurückfallen der VfB-Außenstürmer manndeckungshaft aus der Abwehr heraus verfolgten. Das genügte manchmal zum Ausbremsen der eher kurzen Stuttgarter Ballbesitzphasen, besorgte allerdings auch den frühen Rückstand: Sorg kann gegen den zurückfallenden Asano den Ball nicht erobern (Mannorientierungen sind eben reaktives Verteidigen und als solches mit einem gewissen zeitlichen Nachteil versehen), Sané und Anton stehen leicht nach rechts versetzt und achten beide eher auf Terodde, wobei sich Sané nach vorne orientiert, als Asano wieder ins Feld zurückdribbelt. In Sanés Rücken startet Gentner einen seiner vertikalen Läufe, der zur Verlängerung auf Mané wird, der im Strafraum dann den nachgestoßenen Asano bedient und Teroddes Abstauber vorbereitet (Unterschied: die VfB-Spieler können nach vorne durchlaufen während sie den Ball und das Tor sehen, die 96-Spieler müssen sich erst umdrehen, nachdem sie die Situation erfasst haben; altes Verteidigerproblem, das gerne auf individuelles Versagen reduziert wird. Nicht gut.).

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Entstehung des Stuttgarter Führungstreffers mit den erwähnten Manndeckungen.

Passender Stuttgarter Pressingplan mit Umsetzungsproblemen

Grundsätzlich stellte die Umstellung aus Stuttgarter Sicht eine sinnvolle Anpassung an das 96-Spiel dar: Gegen die in den letzten Wochen immer mehr auf Offensivpräsenz, Direktheit im Spiel nach vorne und Flügeldurchbrüche setzende Stendel-Elf garantierte das defensiv formierte 5-4-1 einen zusätzlichen Abwehrspieler, sodass der VfB gegen die meistens zu viert in den Sturm aufrückenden 96-Gegenspieler nicht in eine zahlenmäßige Unterlegenheit gerieten. Mit der Fünferkette lässt sich außerdem die Breite des Spielfeldes besser und während der Verschiebebewegung geschlossener abdecken, was in Kombination mit den defensiv eingebundenden Flügelspielern und dem ballnahen Sechser davor zu einer guten Präsenz entlang der Seitenlinien führte und schnelle Durchbrüche aus dem Hannoverschen Aufbau weitestgehend unterband.

Da sich der VfB abgesehen von den ersten Spielminuten, als die Gastgeber etwas höher anliefen und in einer 5-2-3-Formation mit den Flügelstürmern auch etwas Druck auf die aufbauenden 96-Innenverteidiger ausübten, auch in dieser Begegnung eher passiv verhielt und mit der Solo-Pressingspitze Terodde lediglich den Sechserraum ab der Mittellinie leidlich versperrte, konnte 96 den Ball in der Abwehr ruhig und ohne Druck laufen lassen. Mané und Asano liefen die zwischenzeitlich zurückfallenden 96-Außenverteidiger kurz an, während dahinter der Flügelverteidiger den 96-Außenstürmer übernahm und nötigenfalls auch im Pressing mit aufrücken konnte, da der ballnahe Halbverteidiger seinen Platz übernahm.

Gegen das tiefere 5-4-(0-)1 konnten die beiden Innenverteidiger allerdings alleine aufbauen, sodass beide Außenverteidiger aufrücken und ihre Gegenspieler mit zurückziehen konnten. Um die Kompaktheit zu wahren konnten sich auch die beiden VfB-Sechser nicht weit hervor wagen, sodass die VfB-Hintermannschaft zwar eng beieinander, aber eben auch recht tief stand. Die Entfernung zum tiefer aufbauenden Schmiedebach (halbrechts oder zentral abkippend) oder zu den dann neben Terodde aufrückenden Innenverteidigern war zu groß, nötigte aber trotzdem vor allem Gentner dann doch zum Herausrücken, sodass mit nur noch einem verbliebenen zentralen Mittelfeldspieler der Raum vor der Abwehr recht weit offen stand. Die zentralen Stuttgarter Verteidiger rückten dann immer wieder aus der Kette heraus, wenn sich einer der 96-Stürmer, meistens Kenan Karaman, in diesen Zwischenlinienraum fallen ließ oder ein 96-Sechser dort frei wurde, während die vier anderen Verteidiger dahinter zuschieben sollten.

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Aufbau- und Ballbesitzmuster bei 96 gegen das zwar recht kompakte, aber in der Rechnung zwischen Höhe der Abwehrlinie und Druck auf den Ball nicht gerade ausgewogene 5-4-(0-)1 des VfB.

Gerade das Zusammenziehen und hintereinander Absichern funktionierte aber nicht immer zuverlässig und schnell genug, sodass sich trotz der fünf Verteidiger einige Male Lücken in der Stuttgarter Abwehr offenbarten, die für einen Stürmer mit guten Laufwegen wie Martin Harnik eine willkommene Gelegenheit zur Schnittstellenattacke darstellten. An sich wäre hiervon noch weniger Gefahr ausgegangen, hätte es den Schwaben nicht auch zu oft an der angemessenen Aggressivität gegen den Ball innerhalb der Formation gefehlt. Vor allem nach Verlagerungen oder zurückeroberten zweiten Bällen nach dem vorher abgewehrten langen Ball aus der 96-Abwehr rückten die Stuttgarter Mittelfeldspieler eben nicht intensiv und zusammenhängend genug zum Stören des Ballführenden 96-Spielers heraus und blieben auch in Ballungen mehrerer Spieler zu sehr auf das Verstellen der Räume bedacht. So wurde den Gästen Zeit und Platz für einen Pass in die freien Räume innerhalb der Stuttgarter Formation oder erneut hinter die Abwehr gegeben, mit dem dann die kurzzeitigen Lücken in der Hintermannschaft anvisiert werden konnten.

Vereinzelt schien 96 das Herausrücken der VfB-Verteidiger aus der Fünferkette sogar zu provozieren, indem die normalerweise selber für den Weg in die Tiefe zuständigen Flügelstürmer ein kurzes Zurückfallen in das eigentlich abgedeckte Mittelfeld auf der ballnahen Seite andeuteten und den Weg für Harnik oder Sarenren-Bazee öffneten, die dann mit langen Bällen hinter die Abwehr bedient werden sollten. Die Pressingresistenz und Ruhe am Ball von Schmiedebach und Karaman genügte dann meistens, um die aus Stuttgarter Sicht zu individuellen Duelle im Mittelfeld zu gewinnen und hinter die Abwehr zu spielen. Der Ausgleichstreffer verdeutlichte das sehr schön: Schmiedebach und Karaman können den Ball erfolgreich gegen Gentner und Baumgartl an der Mittellinie behaupten, sodass Anton ohne Stuttgarter Folgedruck auf der halbrechten Seite Zeit für den langen Ball auf Sarenren-Bazee erhält, der in ein Laufduell mit lediglich Insua gehen kann, weil Felix Klaus seinen Gegenspieler Kaminski aus der Abwehr lockt. Am Ende stößt Harnik gut in den Raum zwischen dem herüberrückenden Pavard und dem zurückeilenden Baumgartl. Eine gute Chance nach ähnlichem Muster und einem schönen Pass von Schmiedebach sowie einen Umschaltangriff gegen eine hohe VfB-Abwehr, deren Vordermänner aber keinen Druck auf den Ball hatten geben können, hatte ebenfalls Harnik zuvor noch vergeben.

Beidseitige Offensivansätze bis zur Pause

Wie schon in den letzten beiden Spielen wurde das Hannoversche Ballbesitzspiel durch Karamans ballfordernde Bewegungen und seine guten Dribblings vor allem im Zusammenspiel mit Schmiedebach ein wenig belebt, sodass es mehr Verbindungen in das Zentrum gab, die auch mit flachen Pässen ausgespielt und zur Verlagerung oder Beschleunigung genutzt wurden. Außerdem zeigten sich die Stürmer nicht nur im Zurückfallen aktiv, sondern vor allem nach dem Ausgleich auch horizontal etwas beweglicher. Gegen die weiterhin um Zugriff im Mittelfeld sowohl im regulären Pressing als auch nach Ballverlusten ringenden Schwaben konnte Hannover die Freiräume im Mittelfeld so ordentlich nutzen, kam nach wie vor recht leicht zu Offensivpräsenz und auch noch zu ein paar halbwegs gefährlichen Abschlüssen. Das 96-Gegenpressing geriet dementsprechend wieder ein bisschen stabiler, reichte aber trotzdem noch nicht an das Niveau aus den ersten Saisonspielen heran. Stuttgart konnte mit einem etwas mehr zurückarbeitenden und nachsetzenden Terodde dafür ein paar Ballgewinne im Mittelfeld verbuchen, nach denen der Weg bis zum Tor nicht mehr so weit war wie in den meisten Szenen des regulären Verteidigens, sodass Asano und Mané noch zu ein paar gefährlichen Offensivszenen kamen.

Wolf reagiert und stellt um

In der Halbzeitpause reagierte Hannes Wolf auf die Probleme seiner Mannschaft und passte die Formation an, ohne an der personellen Besetzung zu schrauben: Pavard rückte von der Halbverteidigerposition ins zentrale Mittelfeld vor und bildete dort mit Zimmermann und Gentner eine vom VfB bekannte Mischformation aus 4-2-3-1 und 4-1-4-1 (Zimmermann tiefer als Gentner, Pavard manchmal leicht nach rechts versetzt, Zimmermann etwas mehr links), das im Pressing, das in sich auch aktiver interpretiert wurde, eher als 4-1-4-1 gebildet wurde. Im Ballbesitz traten die Stuttgarter wie gewohnt auf, mit eher tiefen Außenverteidigern, drei bis vier Stürmern und direktem Spiel nach vorne. Gegen den Ball stabilisierte sich der VfB nach ein paar Minuten des Neujustierens mit jetzt einer zusätzlichen Linie in der Staffelung und einem konstanter besetzten ehemaligen Zwischenlinienraum merklich und konnte Hannover von einfachem Raumgewinn und dem Vorbereiten schneller Angriffe deutlich besser abhalten als in der ersten Halbzeit. Hannover griff demgegenüber selber jetzt wieder mehr zu langen Bällen in die Spitze und investierte wieder mehr Kraft in das Attackieren des zweiten Balles mit einem aufrückenden Sechser.

Unter dem wieder direkteren, auf dem Flügel etwas weniger schnell abgeschmetterten Angriffsvortrag mit mehr Nachrücken der Mittelfeldspieler sank bei 96 aber auch der konstante Zugriff im Gegenpressing, sobald der gewonnene Ball aus der umkämpften Situation auf dem Flügel vom VfB gelöst werden konnte. Die schwache Besetzung des zentralen Mittelfeldes im Ballbesitz und nach dem Verlust des Spielgeräts, in der ersten Hälfte noch das Problem der Stuttgarter, war jetzt immer häufiger bei 96 zu beobachten. Die hohen Flügelspieler zwangen die Sechser, beziehungsweise den einen weiter hinten verbliebenen, immer wieder zum nach-außen-Verteidigen, sodass sich große Freiräume im Zentrum ergaben. Stuttgart nutzte mit den eigenen Schwächen, die die Umstellung auf das gewohnte System mit sich brachte, jedoch nur einen Teil dieser Entwicklungen: Die Gastgeber setzten dank ihres gestiegenen Zugriffs und ihrer erhöhten Intensität zwar zu mehr Umschaltangriffen an, spielten aber nicht gut durch die von 96 schwach abgesicherten Räume. Weiterhin wurde der Weg auf die schnellen Flügelstürmer gesucht, und das Streben nach dem Pass in die Tiefe nach außen schien vor allem Zimmermann und Gentner die Wahrnehmung für das Zentrum zu trüben. Mehrere vielversprechende Gelegenheiten, mit Tempo auf die 96-Abwehr zuzugehen wurden ohne Not vergeudet und die angeleierten Flügelkonter eher mittelmäßig ausgespielt. Erst als mit Alexandru Maxim für die letzte Spielphase noch vielfältige Offensivqualitäten neu ins Spiel kamen, konnte der VfB eine große Torchance verbuchen. Doch nach einem abgefangenen Abschlag, dem erlaufenen Rückpass durch Karaman und Sarenren-Bazees Nachsetzen gegen einen orientierungslosen Langerak war es 96 in Person von Felix Klaus, der für den Siegtreffer sorgte.

Fazit

Gegen einen sehr gut besetzten und nicht unpassend eingestellten Gegner kam 96 in der ersten Halbzeit zu guten Szenen nach vorne, hatte ein paar mittelgroße Probleme nach hinten und war insgesamt mit modifizierter Wucht und Intensität die dominantere und gefährlichere Mannschaft. Wenn auch gegen einen passiven Gegner, ist der fortgesetzte Rückgang der Langballquote (im Sinne von „bolzen weil es nicht anders geht“) und das bessere Nutzen des Zentrums ein positiver Aspekt des Spiels, da vor allem auch das Herauslocken der Abwehrspieler und das anschließende Überspielen der gegnerischen Verteidiger wie eine bewusste Gegneranpassung wirkten – ob sie es aber auch wirklich waren, wissen wir natürlich nicht. Dass der Siegtreffer in der Entstehung als eher glücklich anzusehen ist, ist egal, weil Ergebnisse kurzfristig gesehen sowieso eher egal sind. Weder der eigentlich gute Matchplan aus der ersten, noch die sinnvolle Anpassung Wolfs zur zweiten Halbzeit wurden am Ende mit Punkten belohnt. Eine ordentliche bis gute Leistung in der ersten Halbzeit und ein Moment kurz vor dem Abpfiff beschaffen 96 die drei Punkte.

 

(Achja, dass es keinen Grund gibt den Verstand zu verlieren, wenn Albornoz mal für ein paar Minuten als Rechtsverteidiger spielen soll, und dass es nicht „schon wieder so ein komischer Wechsel von Stendel“ ist, wüsste man, wenn man unser Zeug auch wirklich läse. Da hat er nämlich die erste Phase seiner Profikarriere verbracht und ist zum Nationalspieler geworden. Aber sowas stört natürlich nur, wenn man bestimmte Spieler eigentlich aus Prinzip sowieso schon scheiße findet.)

Kategorien: Taktik-Analyse
  • AlbertC

    Jaime, was stimmt nicht mir mir? Spielerisch empfand ich das in der zweiten Halbzeit als Zumutung und war einigermaßen genervt. In meiner Erinnerung ist das so, dass 96 keinen Spielaufbau mehr betrieb, sondern immer wieder zu langen Bällen griff. Wo war da spielerisch ne Verbesserung zu sehen? Okay, ich habe das Spiel aufgezeichnet und schau mir das nochmal an. Sind sich ja auch alle eins, dass das wenn nicht ein gutes Spiel, dann zumindest eines der besseren Sorte und sehenswert war. Die zweite Halbzeit fand ich ehrlich gesagt nicht sehenswert. Vermutlich ne postfaktische Sicht meinerseits auf das Geschehen – aber ich bin ja auch wirklich der Meinung, zu wenig von all dem Zeugs zu verstehen. Habe meinen Fußballkonsum daraufhin auch schon drastisch eingeschränkt.

    Hier die drei Tore:
    http://www.dropbox.com/s/nbgnnptl64jfm90/VFB_1zu0.mp4?dl=0
    http://www.dropbox.com/s/vz1j4itqcxsqokm/VFB_1zu1.mp4?dl=0
    http://www.dropbox.com/s/nqyzemhf79h8baf/VFB_1zu2.mp4?dl=0

    • Jaime

      – „(…) und konnte Hannover von einfachem Raumgewinn und dem Vorbereiten
      schneller Angriffe deutlich besser abhalten als in der ersten Halbzeit.
      Hannover griff demgegenüber selber jetzt wieder mehr zu langen Bällen in
      die Spitze (…)“
      – „(…) Unter dem wieder direkteren, (…) sank bei 96 aber auch der konstante Zugriff im
      Gegenpressing (…)“
      – „Eine ordentliche bis gute Leistung in der ersten Halbzeit und ein Moment kurz vor dem Abpfiff beschaffen 96 die drei Punkte.“
      Weiß nicht, klingt jetzt nicht so begeistert und voll des Lobes über die zweite Halbzeit würd ich sagen. Lag aber eben auch an Stuttgart und daran, dass zweite Halbzeiten einfach meistens so sind. Die erste Halbzeit war ok-gut, die zweite war einfach ne zweite Halbzeit und nicht so gut.

  • BettyBoop

    „schon wieder so ein komischer Wechsel von Stendel“
    Wo hast Du dieses Zitat her? Man muss aber nicht Euren Blog lesen, um zu wissen, dass Albornoz als vielseitiger Spieler, der grundsätzlich sowohl rechten und linken AV als auch linkes Mittelfeld spielen kann, zu 96 geholt worden ist. So wurde das auf seiner Vorstellungs-PK verkündet und man kann es auch verschiedentlich lesen:
    http://www.transfermarkt.de/miiko-albornoz/profil/spieler/75852

    Seine offensiven Qualitäten sollen ja vergleichsweise besser als seine defensiven sein.
    Seine Flanke kurz vor dem 1:2 fand ich aber enttäuschend. Defensiv hat er mich gestern in der kurzen Zeit ebenfalls enttäuscht. Erschreckend fand ich, wie er sich in der 81 Minuten von Maxim überlaufen ließ.

    • AlbertC

      Ja, diese Szene hat auch auf mich was Deprimierendes und hätte gut und gerne
      zum 2:1 für den VFB führen können:
      http://www.dropbox.com/s/q6o3ehnutg91lm1/Albornoz.mp4?dl=0

      • Jaime

        Man sollte dabei vielleicht berücksichtigen, dass Maxim einer der fünf bis zehn besten Offensivspieler im deutschen Profifußball ist und deshalb zu dem allgemeinen Nachteil des Verteidigens in solchen Situationen auch noch die Klasse von Maxim kommt. Der Anspruch an Verteidiger, immer in der Lage sein zu müssen, alles verteidigen zu können und wenn es nicht klappt einfach schlecht zu sein, ist eine Form von Blödsinn, die man eher da lassen sollte, wo sie als Sicht durch jahrelange Wiederholung unhinterfragt akzeptiert ist. Abgesehen davon hat Albornoz in seiner Spielzeit mit Maxim auf seiner Seite glaube ich zwei Duelle verloren und zwei gewonnen. Aber weil nach der einen halt ein Torschuss passiert ist, war die deutlich „wichtiger“, „entscheidender“ und „verheerend“. Schon klar.

      • AlbertC

        Ich will keine Erbsenzählerei betreiben und insofern man Albornoz-Fan sein kann (seine Aufstellung befürwortet), bin ich einer.
        Ich befürworte ja auch eine Startelf mit Sorg, Albornoz und Hoffmann – gerade den drei Spielern, denen nachgesagt wird, sie seien zu langsam…
        Im Ringen um „Erkenntnis“ habe ich ein Arbeitsprotokoll von Albornoz erstellt.
        Wahnsinn, wie viele Aktionen es in einer Minute gibt.
        Albornoz ist ja, wenn nicht eh, anhand seiner gelben Schuhe gut zu erkennen.
        Und grundsätzlich erwarte ich wohl zu viel von Profis.
        Für viele Fehler, die so unterlaufen, fehlt mir das Verständnis.

        72. Einwechselung
        73 verlorener Zweikampf gegen Maxim und übernimmt dann nicht Kaminski, wirkt auf mich wirr.
        74. Kopfballduell
        76. lässt er m.E. folgenlos die linke Seite ungedeckt
        77. Zweikampf
        81 auch da macht er auf mich den Eindruck, dass er zu sehr in die Mitte drängt und die linke Seite zu sehr offen lässt.
        81. wird von Maxi überlaufen
        82 Kopfballduell
        82. Einwurf
        82. spannende Szene: deckt Antons Mann in der Mitte (Doppeldeckung) und lässt Maxim links ungedeckt – aber womöglich eine zweckmässige Entscheidung
        84. gewinnt Zweikampf gegen Maxim
        84. Zweikampf Maxim
        84. langer Ball
        86. Flanke
        88. köpft Freistoß auf Höhe der linken Strafraumlinie weg
        90 guter Flugkopfball im Mittelfeld
        91. gewinnt Zweikampf gegen Maxim
        92. Einwurf
        92. Tackling gegen Maxim
        92. robustes Tackling gegen Insua

        Ich finde, was diese 20 Minuten angeht, dass er um so sicherer wirkt, je länger das Spiel läuft. Dass er sich sehr offensiv orientiert, da auch gut die Räume besetzt, sich anspielbereit anbietet. Defensiv wirkt er auf mich anfangs etwas desorientiert im Raum, mit einer Tendenz zur Mitte und dabei die linke Seite verwaisen zu lassen (aber vielleicht muss da ja so sein).

      • Jaime

        Ja. Wäre sonst ein 2 gegen 3 zu Gunsten der Stuttgarter in der Mitte.

  • BettyBoop

    „wenn man bestimmte Spieler eigentlich aus Prinzip sowieso schon scheiße findet.“
    Ich finde, da gehört Sorg in Schutz genommen und zwar vor allem vor Heiko Rehberg von der HAZ. Der in letzter Zeit ja jede sich nur bietende Gelegenheit wahrnimmt, gegen Sorg zu mobben, vermutlich um damit seine eigene Fachkompetenz in Sachen Fußball zu untermauern.
    Gestern gab Rehberg diese Gemeinheit auf Twitter zum Besten:
    https://twitter.com/hrehberg8
    „Eben noch mal schön zu sehen, wie Sorg beim Gegentor zuschaut…ärgerlich.“
    „Sorg rauszunehmen drängt sich auf. Schon um mit 11 vom Platz zu gehen. “
    Dabei hat Sorg am Gegentor keinerlei Aktien – er lief lediglich in den Strafraum und damit ins TV-Bild, als sich der Ball schon im Torraum befand.

    Nun beschränkt sich Heiko Rehberg Sicht auf Fußball darauf, einzelne Szenen zu beurteilen und sich den Kopf über die individuelle Qualität von Spielern zu zerbrechen und nicht wie die Räume bespielt werden. Unvergessen das Selbstzeugnis, das er sich mit seinem Plädoyer für Frontzeck ausgestellt hat:
    http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/96-Trainer-Frontzeck-muss-bleiben

  • Schlaudrauf

    Ich bin ja schon froh, dass ich mir die letzten 96-Spiele angucken konnte, ohne mir pausenlos an den Kopf zu fassen. Aue war ein fast schon grotesker Tiefpunkt in meinen Augen. Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, dass Stendel wusste er braucht die drei Punkte dort unter allen Umständen und hat deshalb in bester Frontzeck-Manier gesagt: „Mach was draus Salif, vorne fällt der Ball schon rein“ (mich würde wirklich interessieren, in wie weit da eine Vorgabe umgesetzt wurde oder nicht). Der Erfolg gibt Stendel jetzt recht, die HAZ ist nach Dauerskepsis inzwischen voll überzeugt und spricht vom „Besten Team der Liga“. Das gute ist: Die spielerische Entwicklung in den letzten drei Partien ist tatsächlich nicht schlecht. Sogar Sane hat mich in Stuttgart wirklich überzeugt, wenn er immer so spielen würde, könnte ich sämtliche Lobhymnen auf ihn blind unterschreiben.
    Beunruhigend finde ich da schon eher, wie unser Rechtsaußen jetzt mal wieder gehypt wird, klar an den entscheidenen Situationen ist er oft beteiligt und wahnsinnig schnell ist er auch, aber er nimmt sich aus dem – ansonsten immer besser werdenden – Kombinationsspiel auch fast komplett raus und bei seinem Defensivverhalten ist Sorg hinter ihm auch nicht zu beneiden. Aber gut, dass Bazee spielerisch limitiert ist, habt ihr ja auch schon letzte Saison sehr gut festgestellt 😀 Ich hoffe das Bech und Sobiech auch noch ihre Einsatzchancen wiederkriegen werden, auch wenn Harnik/Karaman natürlich auch ein vernünftiges Sturmduo ist.

    „Aber sowas stört natürlich nur, wenn man bestimmte Spieler eigentlich aus Prinzip sowieso schon scheiße findet.“ Albornoz ist also der Felix Klaus der Haz? 😀

    • you_never_walk_alone

      nee, Oliver Sorg ist der „Felix Klaus“ der HAZ….

      Ja, die HAZ schwenkt nach de Stuttgartspiel um. Vor dem Spiel hätten die keinen Pfifferling auf einen Verbleib Stendels gesetzt. Und ruckzuck machen sie sich zu ihrem Anwalt.
      Was Bazee angeht, muss man zugeben, dass er an einer unglaublichen Menge spielentscheidender Offensivaktionen beteiligt ist. Selbst an der Entstehung des tödlichen Rückpass auf Langerack in der 88. Minute war beteiligt.
      Aus welchem Holz müsste denn der rechte AV geschnitzt sein, dass er hinter Bazee nicht doof aussieht?