Schaafs Flügelstürmer-4-4-2

Mitten in der schweren sportlichen Krise greift Thomas Schaaf in die Trickkiste und lässt seine Mannschaft mit einer etwas unorthodoxen Ausrichtung auflaufen. Den Eigenheiten und Problemen der in den letzten drei Spielen gesehenen taktischen Formation wollen wir uns widmen, bevor sie vermutlich wieder eingemottet wird.

Was spielt 96 da überhaupt?

In den letzten Wochen setzt Thomas Schaaf bei 96 auf ein ungewöhnliches Spielsystem. Die Akteure, die im eigenen Ballbesitz als Stürmer in der vordersten Linie spielen, positionieren sich bei gegnerischem Ballbesitz auf den Flügeln. Die beiden höchsten 96-Spieler im Pressing sind im Ballbesitz bewegliche offensive Mittelfeldspieler, die vor zwei Sechsern auftreten. So entsteht gegen den Ball eine gewöhnliche 4-4-2-Struktur, während sich im Angriffsspiel viele Spieler im Zentrum tummeln und man die Formation als 4-2-2-2 bezeichnen könnte. Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt nennt die Struktur seiner Mannschaft genauso. Doch die Unterschiede sind nicht zu übersehen: Bei den Leverkusenern wird das 4-2-2-2 strukturell manchmal auch im Angriffspressing sichtbar, wenn die beiden Zehner hinter den Stürmern etwas breiter stehen als die beiden Sechser, aber trotzdem keine Flügelspieler sind. Die Leverkusener Stürmer bleiben in jeder Spielphase die höchsten Spieler und wechseln nicht wie bei 96 im Pressing auf die Flügel. Abgesehen von der Bezeichnung haben Schmidts und Schaafs Systeme quasi keinerlei Gemeinsamkeiten. Während Schmidt das Spiel vom Pressing her denkt und seine Mannschaft danach ausrichtet, steht am Beginn der Überlegungen von Schaaf vermutlich das Ballbesitzspiel.

Das kann man an Hand der Tatsache herleiten, wann erstmals auf diese Formation zurückgegriffen wurde: Gegen den VfB Stuttgart überraschte Schaaf mit besagter Grundordnung, die eine klare Anpassung an die Schwächen des Gegners darstellte. Die extreme Zentrumslastigkeit der Staffelungen im Ballbesitz konnte in der ersten Halbzeit die Schwäche der Schwaben aufdecken, zentral vor der Abwehr dauerhaft stabil zu stehen. Auch die Wahl der Spielertypen deutet darauf hin, dass der Grundgedanke ein offensiver und spielerischer ist. Technisch starke, kombinationsfreudige, wendige und kreative Spieler waren gefragt, um die Überladungen in der Mitte oder auf der rechten Seite schnell und direkt auszuspielen. Die beiden „Stürmer“, die gegen den Ball auf den Flügeln auftreten, sollen aber gleichzeitig gewisse Angreifer-Attribute mitbringen, um die Durchschlagskraft und den Zug zum Tor nicht vollends vermissen zu lassen. Kenan Karaman als offensiver Universalspieler und Marius Wolf als schnelle, tororientierte und eher simpel veranlagte Ergänzung zum kombinativen Personal dahinter stellten dafür keine schlechte Wahl dar. Zudem müssen sie in der Lage sein, nach Ballverlusten schnell aus der Mitte den weiten Umschaltweg auf die Flügel zu bewältigen. Für einen eher langsamen Spieler wie Hiroshi Kiyotake wäre dieser Weg zu weit. Abgesehen davon sollen nach Balleroberungen die beiden höchsten Spieler wohl möglichst spielstark und pressingresistent sein, um den Ball länger in den eigenen Reihen halten zu können. Insofern ist die Lösung mit Ballbesitz-Stürmern auf dem Pressing-Flügel und Ballbesitz-Zehnern in der Pressing-Spitze unkonventionell, aber nachvollziehbar.

Chancen und Risiken

So entstanden zwar wie erwähnt sehr gute Phasen, in denen 96 stark kombinierte und direktes, kurzes Passspiel im engmaschigen Mittelfeld zeigen konnte. Kiyotake und Fossum weichen oft seitlich in Richtung des Flügels aus oder lassen sich etwas zurückfallen. Die beiden Zehner bewegen sich mit meist einem der Sechser (der andere sollte zumindest absichern) und einem der Stürmer relativ flexibel durch die Räume, stiften Verwirrung und auch ein bisschen Chaos. Aber es fehlt trotz der erwähnten Vorkehrungen die konstante Durchschlagskraft und Torgefahr. Zum einen wurde Marius Wolf mit seiner tendenziell etwas breiteren Position auf der (halb-) linken Seite kaum eingebunden, zum anderen wird in vielen Situationen eher der ballnahe Außenverteidiger (der lineare, offensivfreudige Sakai) für den Durchbruch gesucht, statt sich weiter zentral durchkombinieren zu wollen. Für hohe Flanken fehlt aber der geeignete Abnehmer, der gleichzeitig die anderen erforderlichen Aufgaben zufriedenstellend ausfüllen könnte. Die wenigen flachen Ablagen in den Rückraum, die Sakai ohnehin nur sehr sporadisch zeigt, wurden dann von den Mitspielern verpasst. 96 kombiniert also sehr viel besser als in den meisten Spielen der bisherigen Saison, kommt aber auch nicht sehr viel häufiger in gute Abschlusspositionen als zuvor.

Auch bei Ballverlusten gibt es Probleme. 96 ist wegen der Zentrumslastigkeit natürlich auf den Flügeln offen und könnte dort relativ leicht ausgekontert werden. Wenn der Ball verloren geht, kommt 96 aber kaum ins Gegenpressing, um den drohenden Konter abzubrechen oder zumindest auszubremsen. Zwar sind kurze Kombinationswege und eine gute Staffelung im Ballbesitz prinzipiell eine wichtige Vorbereitung für das sofortige Stören nach dem Ballverlust, im Fall von 96 sind die Abstände zwischen den Spielern aber sogar zu gering. Um die lokalen Ballungen herum gibt es meistens genug Platz für den Gegner, um sich aus dem drohenden Gegenpressing-Druck schnell zu befreien und den Konter zu starten. Darüber hinaus ist Gegenpressing auch eine Frage der taktischen Einstellung. Die Hannoverschen Mittelfeldspieler gehen aber oft nicht besonders zupackend zu, selbst wenn sie nach dem Ballverlust in der Nähe stehen. Dabei spielt auch der lange Umschaltweg der beiden Stürmer eine Rolle: meist legen sie ihr Augenmerk darauf, möglichst schnell auf ihre Positionen für die neue Spielphase ohne den Ball zu kommen. Wenn sie sich am Gegenpressing beteiligen würden, es aber dennoch fehlschlägt, wären ihre Räume völlig unbesetzt. Wenn sich, wie bei 96 auch hin und wieder zu sehen ist, dann aber einer der Sechser ins Gegenpressing einschalten will und aus seiner Position aufrückt, sind zu viele Räume gleichzeitig nicht richtig besetzt.

Die Konteranfälligkeit von Hannover 96 hat sich, obwohl sie sowohl unter Michael Frontzeck, als auch unter Schaafs anderen Formationsansätzen bereits auf einem hohen Niveau war, sogar noch etwas verstärkt. Von den 17 Gegentoren in der Rückrunde fielen zehn nach Kontern oder Umschaltangriffen (wobei berücksichtigt werden sollte, dass es uneindeutige Fälle gibt und unsere Definition vielleicht von anderen abweicht). In den Spielen mit dem 4-4-2-/ 4-2-2-2-System setzte es allein gegen Wolfsburg und Bremen vier Kontergegentore. Entweder als Teilursache des Problems oder als Versuch der Stabilisierung greifen die Stürmer jedenfalls eher auf die sichere Variante zurück. Ob taktische Vorgabe oder nicht, gehen sie nach Ballverlusten so schnell wie möglich den langen Weg in ihre Grundposition zurück. In der Zeit wird 96 aber ziemlich schnell zurückgedrängt – und begibt sich damit in das derzeit wohl größte Problemfeld.

Passivität und Lethargie

Das aktuelle 96-Pressing zeichnet sich vor allem durch große Passivität und Zurückhaltung aus. Die beiden Pressingspitzen wagen sich nur selten weit über die Mittellinie hinaus, Druck auf den ballführenden Innenverteidiger des Gegners wird noch seltener erzeugt. Im Mittelfeld dahinter gibt es zwar kurze Mannorientierungen, aber auch zu große Abstände zu den beiden Stürmern. Die Flügelspieler lassen sich von den gegnerischen Außenverteidigern mannorientiert bis auf die Höhe der Viererkette ziehen. Innerhalb der 4-4-2-Formation gibt es gegen den Ball nur wenig Aktivität in Richtung des Balles. Die beiden Stürmer verschieben zwar relativ gut und zusammenhängend zum Ball, lassen aber wegen der geringen Intensität und Pressinghöhe natürlich die Option zur Verlagerung. Mit den tiefen Flügelspielern öffnen sich immer Räume, durch die die gegnerischen Spieler aufrücken können. 96 wird immer weiter nach hinten gedrängt, sodass auch das insgesamt gewissenhafte Verschieben des Mannschaftsverbundes zu den Seiten den Gegner eher ausbremsen als aufhalten kann.

Passivität_Aufrückräume

Hannover fängt schon relativ tief stehend an, kann zudem mit wenigen Pässen noch ein paar Meter hinter die Mittellinie zurückgedrängt werden. Der ballnahe 96-Flügelspieler wird auf die Höhe der Abwehr gezogen, der Raum öffnet sich zum Aufrücken für den gegnerischen Innenverteidiger oder Sechser am Ball. Das ist in dieser Saison kein 96-exklusives Problem, hält Hannover aber zum einen wegen der von Anfang an tiefen Grundposition hinten und öffnet zum anderen mitunter das Zentrum. Außerdem herrschen in der Endverteidigung wieder viele Mannorientierungen vor, die vor allem Pizarro zum Raumöffnen genutzt hat. Kontern wird von da hinten auch schwierig.

Dass das nicht gewollt sein kann, ist relativ unstrittig. Thomas Schaaf moniert regelmäßig eben diese Passivität und versucht an der Seitenlinie, gestenreich auf seine Mannschaft einzuwirken. In den ersten Minuten unmittelbar nach den „Besprechungsphasen“, also kurz nach dem Anpfiff und zum Start der zweiten Halbzeit, ist auch immer mehr Aktivität und Intensität im Spiel gegen den Ball zu erkennen. Die Sechser rücken öfter auf, die Flügelspieler laufen die Außenverteidiger an, statt mit ihnen mitzulaufen, und die Stürmer üben auch mal etwas Druck im Rückwärtspressing aus. Das legt sich aber mit zunehmender Spielzeit. Dabei wird immer betont, dass es sich um ein mentales Problem handele („die Glocke wegsprengen“, „die Mannschaft aus der Passivität bringen“, etc.). Aber an diesem Punkt ist auch schön die Wechselwirkung von Taktik und Psychologie zu erkennen: Ein so tief angelegtes Pressing lädt vor allem eine nicht allzu selbstbewusste Mannschaft geradezu dazu ein, immer wieder in Lethargie und Drucklosigkeit zu verfallen. Die taktische Ausrichtung mit einer geringen Pressinghöhe (die ist nämlich in den ersten Minuten nach dem Anpfiff auch nie sonderlich viel höher) färbt wohl auf das Verhalten des Einzelnen ab. Man hat beispielsweise eher selten Mannschaften in einer solchen Passivität gesehen, die den Gegner früh stört und weit in seiner Hälfte pressen möchte. Wenn die kaum zu bestreitende mentale Verunsicherung der Spieler nicht durch Gesprächstherapie gelöst werden kann, sollte man es möglichst schnell mit taktischen Impulsen in Form eines höheren Pressings versuchen. Besonders viel zu verlieren hat 96 sowieso nicht mehr.

Das sollte aber im Training dementsprechend vorbereitet werden. Wenn Hannover nämlich doch einmal ins hohe Pressing geht, beispielsweise in der Schlussphase oder unmittelbar nach einem Gegentor, wird die Mannschaft relativ ungeordnet und instabil. Die kollektiven Bewegungen im hohen Pressing werden unkoordiniert, die einzelnen Spieler verhalten sich in vorderen Zonen ziemlich mannorientiert. Dabei zeigen sie aber eher die Form der improvisierten Mannorientierung, die wie eine Art Schutzmechanismus bei unklaren gruppentaktischen Abläufen wirkt. Gegen Wolfsburg reichte beispielsweise ein einziges unbedachtes Aufrücken von Yamaguchi, um der Hecking-Elf die Möglichkeit zu geben, 96 mit einem einzigen Flachpass ins verlassene Zentrum auszuhebeln. Meist entstanden zuletzt so auch die riesigen Löcher im Mittelfeld, die vor allem in der zweiten Halbzeit zu sehen waren und das Gegenteil von Stabilität zur Folge hatten.

Probleme mit der Aktivierung

Hohes Pressing ist auf der anderen Seite zudem der größte Feind des aktuellen 96-Spiels. Im Spielaufbau nimmt 96 schon die zentrumslastigen 4-2-2-2-Staffelungen ein und hält die Außenverteidiger tief. Die Überladungen im Zentrum sind zwar schon in der ersten Phase des Angriffsspiels angelegt, müssen aber mit flachen Zuspielen aus der Abwehr erreicht werden, um wirksam werden zu können. Das funktioniert im Fall von 96 nur gegen tief stehende Gegner. Frühes Stören hingegen ist gegen das 4-2-2-2-Hannover der erste und wichtigste Schritt zum Sieg. Die tiefen Außenverteidiger sind einerseits als Absicherung gegen Konter gedacht (vor allem Sorg macht das auch in späteren Phasen; auch indem er in den Sechserraum schiebt) und müssen andererseits für die Breite im Aufbau sorgen. Dass sie sich auf einer Höhe mit den Innenverteidigern aufstellen, bereitet 96 aber große Probleme beim Übergang ins zweite Drittel. Der Gegner muss nur den Aufbau auf die Außenverteidiger leiten und hat dann leichtes Spiel dabei, sie zu isolieren. Für Sakai und Co. gibt es ohne Breite in der Mittelfeldreihe nur zwei bzw. drei Passoptionen: quer/ zurück zum Innenverteidiger, nach innen zum ballnahen Sechser, nach innen zum ballnahen Zehner. Ein Quer- oder Rückpass ist eigentlich für alle Mannschaften das Signal zum Aufrücken im Pressing, sodass der lange Ball erzwungen wird. Die anderen beiden Möglichkeiten im Passspiel können dem Außenverteidiger relativ leicht genommen werden: Wenn ihn der gegnerische Flügelspieler diagonal anläuft, verstellt er einerseits den Passweg auf den ballnahen Sechser und nimmt gleichzeitig den Zehner in seinen Deckungsschatten – beide kann der Außenverteidiger dann nicht mehr erreichen. Die Mitspieler müssen nur noch einfach nachschieben und längere Pässe ins Zentrum zumindest riskant werden lassen.

HohesPressing-4222

Eine exemplarische Szene aus dem Wolfsburg-Spiel. Natürlich sind die 96-Staffelungen nicht immer so schlecht wie hier, aber das Prinzip wird deutlich. Ohne außergewöhnliche Spielstärke in der Zentralverteidigung geht es hier nicht vorwärts. Dabei muss man sich gar nicht so riskant staffeln wie Wolfsburg in diesem Fall (1 gegen 1 oder sogar Unterzahl in der Abwehr, hoher Außenverteidiger). Eine 4-1-4-1- oder 4-1-3-2-Staffelung im Pressing mit aufrückenden Außenverteidigern sind gegen Hannovers 4-2-2-2 nahezu ideal. Im 4-1-4-1 kann ein Achter zentral aufrücken und anschließend die Schürrle-Rolle aus diesem Bild einnehmen. Im 4-1-3-2 könnte der vordere Block zustellen und verschieben und der ballferne Außenverteidiger bei Bedarf in den Sechserraum einrücken.

Bremen und Wolfsburg konnten mit ihrem hohen und auf verschiedene Arten mannorientierten Pressing deutlich zeigen, dass Hannover in der aktuellen Struktur mit frühem Stören nicht zurecht kommt. Als Stuttgart den Fehler machte, die Innenverteidigung in Ruhe zu lassen, konnte 96 seine Überzahlzonen mit flachen Pässen anspielen und in der Folge seinen eigentlichen Plan umsetzen. Wenn das nicht gelingt, muss sich die Schaaf-Elf über lange Bälle in die Spitze und die aufgesammelten zweiten Bälle in die Position bringen, die Überladungen auszuspielen. Um damit stabil erfolgreich zu sein, bräuchte es aber einen geeigneten Zielspieler im Sturm. Die Aufstellung eines robusten, klassischeren Stürmers wie Szalai oder Almeida würde aber wiederum teilweise die Vorteile des Plans mit vielen kombinationsstarken Spielern untergraben. Außerdem müsste dann wohl eine andere Lösung für die Umformung in die Pressing-Formation gefunden werden. Ein Hugo Almeida, der nach Ballverlusten seiner Mannschaft in hohem Tempo auf den rechten Flügel sprintet und dort mit verteidigt, wird auf ewig eine verstörende Phantasie bleiben.

Fazit

Das zuletzt gespielte System hat auf jeden Fall ein hohes spielerisches Potenzial, das auch in einigen Phasen deutlich zum Vorschein gebracht werden konnte. Insgesamt zeigt es außerdem eine absolut begrüßenswerte Einstellung zum Spiel: Der Plan wurde offenbar von einer offensiven Vorstellung ausgehend entworfen und legt sein Augenmerk auf das spielerische Element. Um wirklich dauerhaft zu funktionieren, müsste es aber besser und in einigen Punkten auch konsequenter umgesetzt werden als in den bisherigen drei Spielen. Ob die nötige Zeit für das Einstudieren vorhanden ist, ist fraglich. Die angedeuteten Reparaturmaßnahmen wären teilweise schädlich und würden die Ausgangsidee verwässern.

Insgesamt hat 96 mit dem Schaaf’schen 4-4-2/ 4-2-2-2 gewissermaßen ein Philosophieproblem: Von der Wahl der Spielertypen und des Grundsystems mit seiner Umformung zum 4-4-2 mit den Stürmern auf den Flügeln aus betrachtet, ist 96 auf Offensive, Aktivität und Kombinationsfußball ausgerichtet. Das wird aber mit einer auf Stabilität und Kompaktheit bedachten, konservativen Pressingstrategie kombiniert. Das gesamte Auftreten bei gegnerischem Ballbesitz ist so zurückhaltend, dass 96 ein paradoxes Bild abgibt: Eine vom Grundsatz her sehr offensiv und proaktiv aufgestellte Mannschaft tritt extrem defensiv und passiv auf.

Ohne Aussicht auf Besserung innerhalb des Systems und mit der Rückkehr der Stürmer-Königstransfers ist deshalb nicht davon auszugehen, dass Thomas Schaaf dabei bleiben wird. Wahrscheinlich geht es jetzt wieder zurück zur Raute oder dem 4-1-4-1, um den Abstieg doch noch irgendwie zu verhindern.

Kategorien: Debatte
  • JaboIbehre

    Super, dass Du Dir noch einmal die Mühe gemacht hast, Schaafs aktuelle Ansätze auseinanderzunehmen. Ich vermute aber auch ganz stark, dass wir ab Samstag wieder ein anderes Programm zu sehen bekommen…

    Die Passivität und Mutlosigkeit der Mannschaft, wenn es gilt, den Ball zu erobern, ist auch nach meinem Empfinden das allergrößte Problem und die Theorie, dass dieses Verhalten der Spieler durch die offensichtlich gewollte, tiefe Pressinghöhe – also quasi trainerlich verordnetes Abwarten – befeuert (ich will nicht sagen erzeugt) wird, unterschreibe ich ausdrücklich.

    Auch die (Rück-) Wege, die die „pendelnden“ Flügelspieler zwangsläufig zu gehen hatten, sind da nach meinem Verständnis nicht hilfreich und zuletzt galt das sicher auch für die personelle Besetzung der einzelnen Rollen.

    Mal gucken, was jetzt kommt… Vielleicht ja wieder ein Versuch mit Schmiedebach. Bestimmt aber Almeida.

    Eine Anmerkung noch, da wir kürzlich hier ja über Schmiedebachs Verbannung rätselten: Es soll, habe ich gerade die Tage gelesen, im Training vor dem Dortmund-Spiel eine harte Attacke Schmiedebachs gegen Bech gegeben haben, die Schaaf (in einer PK?) auch öffentlich gerügt haben soll.

    • Jaime

      Ah, eine disziplinarische Begründung also. Das wäre ja einigermaßen akzeptabel. Wobei man doch in der Regel in solchen Situationen irgendwas in die Richtung „Das kommt in jeder Mannschaft vor. Das zeigt doch nur, dass die Mannschaft lebt!“ hört. Aber da ich schon länger keine PK mehr geschaut habe, habe ich vielleicht auch diese Aussage nur verpasst.

      • JaboIbehre

        Ich hatte auch echt keine Lust, mir das Video anzuschauen… Bringt ja eh nix. Aber wenn es eine Verbannung aus eher banalen disziplinarischen Gründen ist, dauert sie echt schon ganz schön lang!

  • you_never_walk_alone
  • AlbertC
  • you_never_walk_alone

    Gott sei Dank, Schaaf bleibt uns nächste Saison erspart.
    Schöner wäre es zwar, er ginge umgehend, aber angesichts der Aussicht, dass er geblieben wäre, ist das zu begrüßen.
    https://www.hannover96.de/aktuelles-termine/news/details/18316-neuer-trainer-im-abstiegsfall.html

  • you_never_walk_alone

    Ich möchte Folgendes loswerden:

    Es gilt ja seit Dezember die von Bader ausgegebene Sprachregelung, dass der Kader nicht bundesligatauglich sei.
    Der Kader ist natürlich schwach und war seit Saisonbeginn in dieser Zusammensetzung Abstiegskandidat. Aber sowohl Frontzeck als auch Schaaf haben ihn in meine Augen schwächer gemacht und nicht das Optimale rausgeholt, wäre das passiert, wäre 96 zwar vermutlich auch abgestiegen, wäre aber nicht derart durchgereicht worden.

    Schaaf hätte einigen Transfers seine Zustimmung verweigern müssen, die Defensive stärken müssten und mit zwei Sechsern spielen lassen müssen.

    Bader und Co. haben aber frühzeitig die Sprachregelung rausgegeben, der Kader sei zu schwach, also Dufner die Schuld zugeschoben und sich so aus der Verantwortung genommen. Ich fand diese Sprachregelung total daneben. Man hätte den Kader zur Winterpause nicht öffentlich die Bundesligatauglichkeit absprechen dürfen.
    Das hat mich sehr gestört und empfand ich als kontraprodukitv. Was ist für 96 damit gewonnen, dass man den Kader als bundesligauntauglich abwertet?

    Dann setzt man dem Kader neue Spieler vor, die auch nicht gerade die
    Bringer sind, den Kader jedenfalls nicht verbessern. Dass man als
    Spieler das Ganze dann nicht mehr ernstnehmen kann, erst recht wenn du
    mit einer Marschroute aufs Feld geschickt wirst, die nicht auf deinen
    Stärken fußt und du eh weißt, dass da nicht gut gehen kann. also dass
    dann alles auseinanderbricht, dass finde ich naheliegend. Verantwortlich
    dafür seiit der Winterpause sind für mich aber erstmal Bader und
    Schaaf.
    Hier die heutige PK:
    http://www.youtube.com/watch?v=GYIJvU80_hY

    • Jaime

      Es ist möglich, dass von uns noch ein paar Sätze zum Thema „nicht bundesligatauglicher Kader als Abstiegsgrund“ kommen. Bis zum Abstieg sind noch so ein, zwei Artikel geplant, in denen es, wenn auch implizit, darum gehen könnte.

      • you_never_walk_alone

        Ja, bitte macht das, das regt mich sehr auf und wird anscheinend nicht durschaut.

        In meinen Augen ist eine derartige Abwertung des Kaders – ob sie zutrifft oder nicht – kontraproduktiv bis vereinsschädigend. Ich habe das immer als miese Politik betrachtet: Immer wurde von Bader der Trainer stark und der Kader schwach geredet.
        Bader war in meinen Augen in erster Linie darauf bedacht, sich aus der Schusslinie zu nehmen.
        Bader hätte Frontzeck frühzeitig feuern müssen, den Kader stark reden müssen, einen Trainer holen, der bereit und in der Lage ist, mit diesem Kader zu arbeiten. Zwei Verstärkungen für die Startelf holen sollen – nicht mehr als zwei und davon auf jeden Fall einen für die Defensive. Man kann nicht die gesamte Mannschaft umkrempeln wollen, sondern hätte erst die Defensivarbeit verbessern müssen.
        Wolf und Fossum hätte Bader ja trotzdem perspektivisch holen können, das war ja okay, aber nicht als feste Größen für den Abstiegskampf. 96 braucht einen neuen Mann, einen Sportdirekor, der für die Kaderzusammenstellung der ersten Mannschaft zuständig ist. Bader kann den Rest machen.

        Schaaf bedient sich jetzt der baderschen Rhetorik: An mir liegt es nicht, sondern am Kader.
        Bader sagt, am Trainer Schaaf, den ich geholt habe, liegt es nicht, sondern am Kader, der im wesentlichen schon da war, als ich kam.

  • AlbertC

    Hannover-Profis kritisieren fehlende Spielidee und falsche Aufstellung des Trainers
    Von Axel Hesse

    Wie schlecht es um Hannover 96 bestellt ist, zeigt das Abtauchen von Klubchef Martin Kind (71). 19 Jahre lang stand er in der Öffentlichkeit für seinen Verein gerade. Zuletzt hatte er es satt, über ständig neue Tiefpunkte zu reden. Oder über Trainer Thomas Schaaf (54), für dessen Verpflichtung er sich starkgemacht hatte – der aber zur größten Enttäuschung seiner Amtszeit (mit kurzer Unterbrechung seit
    1997) wurde. Nie war ein Wunschkandidat von Kind so schlecht. Zehn Spiele, neun Niederlagen. Der Abstieg in die 2. Liga scheint bei zehn Punkten Rückstand auf Relegationsplatz 16 unabwendbar. Wer in die Mannschaft hineinhorcht wie Kind, verliert sogar die Hoffnung auf die rechnerische Chance. Schaaf hat die Kabine längst verloren, wenn scheint bei zehn Punkten Rückstand auf Relegationsplatz
    16 unabwendbar. Wer in die Mannschaft hineinhorcht wie Kind, verliert sogar die Hoffnung auf die rechnerische Chance. Schaaf hat die Kabine längst verloren, wenn er sie überhaupt einmal hinter sich hatte.
    SPORT BILD erfuhr:
    In der Mannschaftssitzung am Sonntag nach dem 1:4 in Bremen krachte es richtig. Die Analyse wurde zur Aussprache. In der zählten die Spieler ihren Trainer an! Profis wie Manuel Schmiedebach (27), der in der Mannschaftshierarchie weit oben steht, redeten Klartext. Über Wochen hatte sich der Frust über den Totalabsturz und die miese Stimmung, die von Schaaf und seinem Trainerteam ausgehe, aufgestaut. Vorwurf an Schaaf: keine Spielidee für die Mannschaft. Vorwurf an Schaaf und Geschäftsführer Martin Bader (48): Sie haben im Winter nur Flops (u. a. Almeida, Szalai) verpflichtet. Die spielen aber, damit Trainer und Chef nicht noch schlechter dastehen. Der kleine Ansatz einer Mannschaft in der Hinrunde, in der
    14 Punkte geholt wurden, ist komplett zerstört worden. Zwei Wochen später, vor dem nächsten Kellerduell in Frankfurt, änderte Schaaf dann etwas: Er warf Schmiedebach, André Hoffmann (23) und Salif Sané (25) – neben Torwart Ron-Robert Zieler (27) und Kapitän Christian Schulz (32) Stützen des Teams – aus dem Kader. Hannover verlor 0:1. Das Ende von 96 in der Bundesliga. Das Ende von Schaaf bei 96.
    Dem setzte Kind zwar ein Ultimatum bis Ende März, sich zu entscheiden, ob er mitgeht in die 2. Liga. Aber auch der Klubchef hat das Vertrauen in den Trainer verloren, der wie schon bei seinem Ex-Klub Frankfurt die Mannschaft gegen sich hat. In Hannover diskutieren sie intern schon über Nachfolger. Top-Kandidat ist Markus Kauczinski (46), der im Sommer beim Karlsruher SC aussteigt. Um sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden, scheint es sogar möglich, dass Schaaf kurzfristig fliegt und bis zum Saisonende durch U-19-Trainer Daniel Stendel (41) ersetzt wird.

    Beim Neuaufbau soll es nicht zum kompletten Umbruch kommen. Selbst Schmiedebach, dessen Vertrag nicht für die 2. Liga gilt, bleibt bei einem Trainerwechsel womöglich. Ausstiegsklauseln haben Zieler (3,5 Mio.), Kiyotake (6,5 Mio.), Hoffmann (2,5 Mio.). Sie sind kaum zu halten. Winterflops wie Szalai, Almeida, Milosevic müssen wieder gehen. Der Großteil des Kaders soll für den Wiederaufstieg sorgen. Vor allem auf jungen Spielern wie U-19-Nationaltorwart Königsmann (18), den Verteidigern Anton (19) und Rankovic (22), den Mittelfeldspielern Feierabend (18) und Fossum (19) und Stürmer Bech (23) ruhen Hoffnungen. Offen ist, wer im Management die Führung hat. Kind will einen Sportdirektor installieren. Mitgesellschafter Gregor Baum, der sich für die Verpflichtung von Geschäftsführer Martin Bader im Herbst ins Zeug gelegt hatte, will dessen Kompetenzen allerdings
    nicht beschneiden. Setzt sich Kind durch, ist es möglich, dass Bader geht. Aber egal wie der Machtkampf ausgeht: 96 verliert auf jeden Fall!

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